Entlang der U3 – Der Fehrbelliner Platz

Die U3 – Womit fahren wir hier eigentlich?
Der FIT-Kongress auf dem Campus der Freien Universität Berlin (kurz FU) liegt an der U-Bahnlinie 3, dem dunkelgrünen Strich durch den Südwesten der Stadt, der am Knotenpunkt Nollendorfplatz beginnt und an der Krummen Lanke endet – eine Fahrzeit von nicht mehr als 30 Minuten, damit eine der kürzesten Strecken des Netzes und auch eine der ältesten. Wer weiter in Richtung Zentrum möchte, kann am Nollendorfplatz mit der „Großen Roten“, der U2, weiterfahren, die einen Teil ihrer Strecke oberirdisch zurücklegt und nicht nur deswegen ideal zum Sightseeing ist. Sie verbindet den Westen (vom Olympiastation über das weltbekannte Kaufhaus KADEWE am Wittenbergplatz) mit dem Potsdamer Platz, Alexanderplatz und Prenzlauer Berg entlang der Schönhauser Allee im Osten. Mit einem Tagesticket (mehr zum Nahverkehr in einem separaten Eintrag) der BVG kann man nach Herzenslust umsteigen, und das sollte man auch tun – die Berliner U-Bahnhöfe erzählen Stadtgeschichte auf ihre eigene Weise.Zur Bauzeit des ersten Abschnitts der U-Bahnlinie 3 wurde 1913 im reichen Vorort Wilmersdorf noch Wert auf demonstrative Prachtentfaltung gelegt: Keiner der Bahnhöfe von Wilhelm Leitgebel aus der ersten Phase verzichtet auf Schmuckkacheln mit Tiermotiven, verkleidete Säulen und  edelste Materialien. Die Untergrundbahn war weniger das Massentransportmittel, sondern vielmehr eine schicke Novität, die als zusätzliches Verkaufsargument für die gerade wachsende Villenkolonie der Gegend – zuvor nichts als wilde Wiesen – von der Gemeindeverwaltung erdacht wurde. Verlaufen diese ersten Stationen noch unterirdisch, fährt die Bahn ab Thielplatz seit 1926 im noch entfernteren Außenbezirk Dahlem ans Tageslicht. Die Bauweise des sogenannten „offenen Einschnitts“ bedeutete, dass man sich gewissermaßen die Mühe sparte, aus der Kerbe eine Röhre zu machen, was aber auch zur Folge hat, dass die Passagiere durch die tiefergelegte Trasse nichts weiter als Abhang und Gebüsch sehen, und weder die beeindruckenden oberirdischen Eingangsgebäude, noch die Umgebung zu Gesicht bekommen.

Der Fehrbelliner Platz
Spannend wird es am Umsteigebahnhof Fehrbelliner Platz. Was man bei der Ankunft im kaiserzeitlichen Bahnhof der Linie 3 nicht ahnt, ist der farbenglückliche und auffällige  Bahnhofsaufbau des Architekten Rainer G. Rümmler,  der anlässlich der Kreuzung mit der Linie 7 (die hellblaue auf der Karte) Ende der 1960er Jahre hier gelandet ist und dessen oberirdischer Eingangspavillon seitdem zwischen den Verwaltungsbauten des strengen Monumental-Ensembles der 30er Jahre sitzt wie ein Lego-Traum. Rümmler entwarf auch alle weiteren nördlich gelegenen Stationen der U7 und zeigte dabei eine beachtliche psychedelische Fantasie im Umgang mit Mosaiksteinen, in einer Zeit, in der Biederkeit in der Gestaltung eindeutig keine Rolle mehr spielte. Ein paar Jahre zuvor hatte Alfred Hitchcock hier seinen Film „Der zerrissene Vorhang“ (Torn Curtain) gedreht und es tatsächlich geschafft, die strengen Gebäude wie die Pappkulisse eines DDR-Ministeriums aussehen zu lassen.

Bitte nicht vom zuerst recht zugigen Ambiente des Platzes abschrecken lassen – mit dem Preußenpark und dem Parkcafé gegenüber, vor dem samstags und sonntags ein gut besuchter Flohmarkt stattfindet, kann man sich schichtenweise die Entwicklung des alten Berliner Westens praktisch erschließen. Denn diese Ecke der Stadt ist bürgerlich und unaufgeregt, ganz anders als die trendigen Teile im Osten und Mitte. Während den Flohmarkt mit seinen Sammeltassen, Büchern und Schätzen aus den Kleiderschränken der feineren Arztwitwen das edle, wenn auch staubige Lüftchen des alten Westens umweht, wird dieses im neu erbauten Parkcafé hinter Glas und Holz durch die Aromen von leckerem Kaffee und flotter Küche vertrieben. Das ebenfalls alte, wenn auch andere Berlin findet dann im Sommer im ein paar Schritte links vom Café liegenden Park statt: das inoffizielle Großpicknick der thailändischen Community. Auf dem Papier grillen die Familien zwar nur für den Eigenbedarf, aber Besucher können gern gegen einen kleinen Obolus die echten Spezialitäten mitessen.

Da der Platz in einem reinen Wohnviertel liegt und der Papst im Kettenhemd woanders boxt, heißt es dann doch zurück in die U3 und weitergefahren. Wohin, kommt im nächsten Post. Hierin wäre schon mal eine gute Idee.

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Text & Foto: Katja Bechmann
perforante.de

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