Einladende Straßenterrassen am Kurfürstendamm

Der nach der Wende totgesagte Kurfürstendamm ist schon lange wieder in. Und zu einem Ku’damm-Bummel gehört seit jeher ein Besuch in einem Café zum „Leute-Gucken“. Es gibt unzählige einladende Terrassencafés für jeden Geschmack und Geldbeutel, so auch Starbucks. Vermisst werden aber die traditionsreichen Kaffeehäuser wie das berühmte Kranzler und das Café Möhring, in denen sich die legendären Berliner Witwen zu Kaffee und Sahnetorte sowie zum Informationsaustausch trafen. Das Kranzler gibt es noch stark verkleinert und im Möhring mit den Stuckdecken ist jetzt eine der üblichen Modeketten. Aber zum Glück gibt es das Reinhard’s mit der einladenden Terrasse neben dem Kempinski-Stammhaus an der Ecke Fasanenstraße, Nr. 27.

Eine ganz besondere Adresse ist das Grosz, benannt nach dem Maler George Grosz, im „Haus Cumberland“ im exklusiven westlichen Teil des Ku’damms (Nr. 193-194). Es ist ein ausgesprochen elegantes Café/Bistro/Restaurant mit Terrasse davor und einem schönen Innenhof. Die feine Patisserie wird auf schlichtem dunkelblauem Meissen-Porzellan serviert, das man dort auch kaufen kann. In dem eleganten holzgetäfelten Raum mit Kamin fühlt man sich in frühere Zeiten versetzt, die kleinen Speisen sind allerdings ganz modern (Quiches, Salate usw.).

Das beeindruckende Haus Cumberland  ist nach Ernst August, Kronprinz von Hannover, III. Herzog von Cumberland, benannt. Es wurde 1911/1912 ursprünglich als „Boarding-Palast“ errichtet und später zu einem Hotel umgebaut. Aber beides rechnete sich nicht. Nach einer Phase der Mischnutzung stand das Haus als Spekulationsobjekt dann viele Jahre leer. Vor zwei Jahren wurde der denkmalgeschützte Gebäudekomplex  entschlossen umgebaut und beherbergt nun höchst exklusive Wohnungen und Geschäfte. Die Preise sind dementsprechend atemberaubend, und bei diesen Ansprüchen ist der Bürgersteig im Winter natürlich gegen Glatteis beheizt.

Übrigens: Die Hausnummern des Ku’damms sind fortlaufend, wie häufig in Berlin. Es beginnt mit der Nr. 1 in der Höhe der Gedächtniskirche, „kippt“ dann am Ende im Westen mit der Nr. 123 um und läuft auf der anderen Seite zurück zum Ausgangspunkt. Zum Glück werden die Hausnummern an jeder Straßenecke für den nächsten Abschnitt angezeigt.

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Text & Fotos: Ingrid Gosch

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